Inspiration Moleskine

moleskine
Manchmal tut es auch ein Tempo

Vor ein paar Tagen bin ich einem Autorenkollegen begegnet, der seine Gedanken in einem Schulheft notierte. Brunnen. Liniert. Allein der Anblick führt bei mir zur Schreibblockade. Muss an einer posttraumatischen Schulbelastungstörung liegen.

Ich  kritzle seit jeher in Moleskine. (Manchmal aber auch auf Taschentücher) Am Nachttisch, in der S-Bahn, sogar dort, wo alle anderen mit dem iPhone sitzen.
Das hat, und hier bitte keinen falschen Zusammenhang zum vorhergehenden Satz konstruieren, nicht nur praktische Gründe. Die edlen Notizbücher harmonieren auch besser mit meinen Snobismus und werden sich dereinst auch in Museumsvitrinen besser machen als Lin. 29, 16 Blatt chlorfrei.

Wenn sie sich so lange halten. Sie sehen nach einiger Zeit immer reichlich zerfetzt aus. So zerisssen wie die Gedankenfetzen, Satzbruchstücke, Dialog-Bausteine und Ideen-Kiesel auf den – natürlich – unlinierten Blättern.

Natürlich wäre es heute praktischer, hipper sowieso, Dinge wie Evernote (oder eine Moleskine-App) zu nutzen. Da kann man aber keine beschriebenen Tempos hineinlegen und es ist längst nicht so inspirierend.

Denn die Notizen unterliegen der 90-9-1 -Regel. 90 Prozent stellen sich beim Durchlesen als konfuser Unfug heraus, der nur kurz nach dem Aufwachen eine Art von schlaftrunkenem Sinn hatte, 9 Prozent sind wirklich brauchbar und ein Prozent des Buchstaben-Gewirrs kann ich nicht mehr entziffern.

Das ist aber sehr schön. Der qualvolle Versuch Schriftfiguren zu entziffern, die dem Voynich-Manuskript in ihrer Rätselhaftigkeit kaum nachstehen, führt dann erst recht zu wirklich inspirierenden Momenten entlang der Transkription.

Weil auf diese Weise im Moleskine plötzlich Gedanken stehen, auf die ich von selbst nie gekommen wäre.