Das Lady Gaga-Prinzip für Marken

Noch bis Silvester hielt ich Lady Gaga für eine singende Perücke, die vor allem dazu dient, die Knallpresse und Boulevardformate von „Brisant“ bis „Explosiv“ zu füllen. Dann aber hörte ich erstmals Bad Romance und stellte erstens fest, dass ich – musikalisch gesehen – alt werde, das Produkt, die Musik also, gar nicht mal schlecht produziert ist und das künstlerische Gesamtkonzept durchaus stimmig ist.

Dann erfuhr ich, dass Lady Gaga obendrein das ist, was man eine verdammt erfolgreiche Künstlerin nennen könnte und ihr Ruhm wahrscheinlich dauerhafter sein wird, als der Name vermuten lässt. Denn neben dem musikalischen Potenzial ist Lady Gaga, auf dem besten Wege Madonna zu beerben, vor allem ein Vermarktungswunder. Und davon können Marken durchaus etwas lernen.

Packaging:

Ein gutes Produkt braucht eine interessante Verpackung. Und sie muss zum Inhalt passen. Die Verpackung muss ein Versprechen sein und den Inhalt gleichzeitig verstärken. Und Lady Gaga sieht durchaus so aus, als mache sie sich über die Optik ebenso viele Gedanken wie über die Musik.

Change:

Behalte den Markenkern bei, aber wechsle den Auftritt, um interessant zu bleiben. Seit den Zeiten des Glam-Rock und David Bowie hat sich wohl kaum ein Künstler ständig so oft neu präsentiert wie die New Yorkerin.

Talk of town:

Die älteste PR-Regel überhaupt. Sorge dafür, dass man über dich spricht. In unterschiedlichen Zielgruppen. Lady Gaga gelingt das durch krude Auftritte für die Yellow Press und künstlerische Shootings mit Provokations-Momentum für die Fashionistas. Das Mittel ist dabei völlig gleichgültig. Die Presse schreibt sowieso was sie will. Entscheidend ist, dass es zur Marke passt.

Profil:

Ausgrenzung anderer Gruppen stärkt das Gemeinschaftsgefühl der Markennutzer und wirkt identitätstiftend. Mit provokanten Auftritten und kunterbunten Aussagen aus einem postmodernen Taka-Tuka-Land, grenzt sich Lady Gaga zudem von Mitbewerberinnen ab. Gleichzeitig zeigt Frau Stefani Joanne Angelina Germanotta Respekt gegenüber Künstlern/Marken, die sich in einem ähnlichen Zielgruppen-Milieu bewegen. Das unterstützt die Gruppenbildung und vereinfacht den Markenwechsel.

Stammkunden:

Langfristiger Erfolg ist von einer loyalen Nutzerschaft abhängig. Diese will umsorgt werden. Ständig. Dazu gehört die Klaviatur viaTwitterMyspace und Co. Mit persönlich wirkender Kommunikation zeigt Lady Gaga, respektive ihre PR-Abteilung, wie Markenbotschafter betreut werden können.

Integration:

Musik, Outfit, Auftritt und Kommunikation bewegen sich auf allen Ebenen in einem stimmigen Gesamtbild. Das fällt umso leichter, wenn im Markenimage die Rollen als Provokateurin und gute Freundin eine Synthese eingehen.

Geheimnis:

Sie gibt sich nahbar, liefert als Künstlerin aber immer auch ein Geheimnis mit, dass die Menschen träumen lässt und ihnen eine Projektionsfläche bietet.

Name:

Der Markenname ist Botschaft: Lady gleich Premium, Gaga gleich durchgeknallt, anders, selbstbewusst.

Vision:

Lady Gaga hat gleich zwei: Top-Musik produzieren, ein Qualitätsversprechen, und Madonna vom Pop-Thron stoßen. Merke. Wer sich damit genügt Nummer 2 zu sein, landet am Ende nicht mal unter ferner liefen.

Lerne:

Das Erfolgsprinzip der Marke Lady Gaga ist nicht neu. Vor ein paar Jahren hätte man es noch die Madonna-Strategie genannt.